11. November 2025
Erinnern mit Herz und Verstand
Kinder begegnen der Geschichte des Nationalsozialismus
Am vergangenen Wochenende durften Kinder der Jugendfreizeiteinrichtungen Canapee und Casablanca gemeinsam mit dem Verein Zweitzeugen e.V. zwei intensive und bewegende Tage verbringen. In kindgerechter Form und mit vielen interaktiven Methoden setzten wir uns mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Zwischen vielen Informationen, kreativen Aufgaben, Pausen und Bewegungseinheiten blieb stets Raum für Fragen, Gefühle und Austausch.
Sehr nachdenklich stimmend war die Auseinandersetzung mit den antijüdischen Gesetzen jener Zeit. Die Kinder beschrieben zunächst ihren ganz normalen Alltag vom Frühstück über die Busfahrt zur Schule bis hin zum Fußball am Nachmittag oder Spaziergang mit dem Hund. Sie bekamen passende Gegenstände für die einzelnen Punkte und legten diese in die Mitte. Als dann einzelne Gesetze vorgelesen wurden, verschwanden immer mehr Gegenstände aus der Mitte, weil sie für jüdische Menschen verboten wurden. So wurde schnell deutlich, wie nach und nach alle Lebensbereiche jüdischer Menschen eingeschränkt wurden. Diese Erfahrung hat uns alle bewegt.
Besonders eindrücklich war außerdem die Erzählung der Lebensgeschichte von Erna de Vries, einer Holocaust-Überlebenden. Ihre Erlebnisse, sehr einfühlsam erzählt, haben die Kinder tief berührt. Erna war eine sehr mutige Frau, die ihrer Mutter als 18-Jährige nach Auschwitz folgte, obwohl sie als „Halbjüdin“ nicht gemusst hätte. Sie litt in und überlebte zwei Konzentrationslager.
Damit stand die Frage im Mittelpunkt, was diese Geschichte heute für uns bedeutet. Gemeinsam überlegten wir, wie jede und jeder von uns dazu beitragen kann, dass Menschen nicht ausgegrenzt, sondern respektiert und einbezogen werden.
So nutzten alle Kinder gerne die Gelegenheit, einen Brief an ihre Tochter Ruth zu schreiben. (Erna de Vries ist 2021 verstorben) Das war ein stiller, sehr persönlicher Moment, in dem Mitgefühl und Anteilnahme spürbar wurden.
Diese zwei Tage haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, Geschichte lebendig zu halten – nicht nur, um zu erinnern, sondern um eine Zukunft zu gestalten, in der Respekt, Mitgefühl und Menschlichkeit selbstverständlich sind.
Es war eine große Bereicherung, diesen Workshop mit dem Verein Zweitzeugen e.V. erleben zu dürfen. Unser besonderer Dank geht an Julie von Zweitzeugen e.V., die uns mit Einfühlungsvermögen und Fachwissen durch dieses schwere Thema begleitet hat.